Kategorie: Musik

  • „Ich könnte gar nicht unpolitische Musik machen“ | Nura – Auf der Suche

    „Ich könnte gar nicht unpolitische Musik machen“ | Nura – Auf der Suche

    Nura ist zurück. Noch politischer als davor und mit einer klaren Message für ihre Fans «Versucht euer eigenes Ding zu finden und damit glücklich zu werden».

    Die 32-jährige Rapperin Nura präsentiert ihr neues Album «Auf der Suche». Seit dem 20 August ist die Platte nun erhältlich und erzählt Nuras Geschichte. Dabei mischt sie aggressiven Rap mit gefühlvolleren Songs. Als Kind musste sie damals aus Eritrea nach Deutschland flüchten. Mittlerweile zählt Nura zu den erfolgreichsten Frauen in der deutschen Rap-Szene und hat in diesem Frühjahr an der TV-Sendung «Sing meinen Song» teilgenommen. Aktuell dreht sie eine Serie in Hamburg.

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  • „Ich bleibe verletzlich“ – Das neue Album von Selena Gomez

    „Ich bleibe verletzlich“ – Das neue Album von Selena Gomez

    Mit ihrem neuesten Album Rare ist Selena Gomez nach mehr als vier Jahren zurück und möchte damit einen Schlusspunkt setzen.


    Ex-Disneysternchen Selena Gomez hat nach über vier Jahren ein neues Album veröffentlicht. Ein Pop-Album, welches den Sound der US-Amerikanerin definieren und noch ehrlicher und authentischer als sein Vorgänger «Revival» sein soll. Der Albumtitel «Rare» ist sogleich der Titeltrack und eröffnet die Platte. Gomez singt davon, wie einzigartig sie ist und dass sie möchte, dass das auch erkannt wird. Es klingt zuerst wie ein Liebessong, ist letzten Endes jedoch mehr ein Song für die Selbstliebe. Denn es scheint als habe die 28-jährige Künstlerin endlich erkannt, dass sie sich für niemanden verbiegen müsse und dass sie nie wieder für die Liebe einer anderen Person betteln wird. Ein Schlussstrich mit alten Gewohnheiten und ein starker Auftakt für ein Album, welches die Liebe zu sich selbst zelebriert.

    Dem Albumrelease voran gingen zwei Songs, mit denen die Texanerin einen Meilenstein für ihre Karriere gelegt hat. Trotz der eigentlichen Konventionen einen neuen Song am Freitag zu veröffentlichen, wurde die Leadsingle «Lose You To Love Me» an einem Mittwoch releast. Obwohl sie damit nur zwei Tage Zeit für Streams und Verkäufe hatte, platzierte sich der Song bereit weltweit in den Charts und in den USA sogar auf Platz 15. Bereits am nächsten Tag kam ein weiterer Song. «Look At Her Now» ist für ihre Fans, wie die Sängerin auf Instagram schreibt.

    Gomez bricht eine Regel des Musikbussines, öffnet sich der ganzen Welt und es scheint zu funktionieren. Denn nach über zwölf Jahren nach ihrem ersten Charteintritt, erreicht «Lose You To Love Me» in der zweiten Woche Platz 1 der Billboard Charts, sowie gleichzeitig von Rolling Stones und unzählige internationalen Charts.

    Es ist der wohl ehrlichste Song dieses Albums und vielleicht sogar der ehrlichste Song, der von Selena Gomez je erschienen ist. Eine Ballade begleitet von einem Klavier, in dem sie vom Ende ihrer Beziehung mit Justin Bieber singt, ihrer Enttäuschung und dass sie ihn zuerst verlieren musste, bevor sie sich selbst wieder lieben konnte. Ein gefühlvoller Song, in dem der Schmerz zu hören ist und auch beim hundertsten Hören noch schmerzt. Aber sie scheint sich wieder selbst zu lieben. «Look at her now», ja eigentlich das gesamte Album ist ein Beweis dafür. Denn auch wenn sie oft von Enttäuschung und gebrochenen Herzen singt, ist deutlich in den Songtexten, den energetischen Beats und den fröhlichen Melodien zu erkennen, dass all das Vergangenheit ist.

    Selena Gomez - Rare by PlatinumCovers on DeviantArt

    In den Songtexten ist klar zu hören, dass Gomez am Schreibprozess noch mehr mitgewirkt hat, als an ihrem vorigen Album und in Kombination mit den Songwriting-Superstars Julia Michaels und Justin Tranter wird aus Rare eine Platte, die mit Anspielungen, Ehrlichkeit und teilweise humorvollen Metaphern überzeugt. Gomez scheint bereit für eine neue Liebe oder zumindest bisschen Spass. In «Fun», einem Up-Beat Song, singt sie “You get me higher than my medication” (Du machst mich higher als meine Medikamente). Ein Song, der davon handelt, das Selena Gomez gerne mal wieder Spass mit einem Mann hätte, verbirgt Anspielungen auf ihre psychische Gesundheit

    Die Aktivistin, die sich regelmässig für politische Themen einsetzt und passend zum Album-Release Die «Rare-Stiftung» für mentale Gesundheit gegründet hat, singt offen über ihre eigenen Schwächen. Dabei ist jedoch kaum eine Schwere zu hören. Vielmehr sieht sie ihre Verletzlichkeit als Stärke und in in «Vulnerable» (Verletzlich), singt sie «Ich bleibe verletzlich» und auch wenn man annehmen könnte, der Song sei eine Ballade, so ist es Elektropop und Gomez zeigt damit, dass verletzlich sein nichts schwaches ist, sondern Stärke.

    «Rare» versucht nicht verzweifelt mit aktuellen Musiktrends mitzuhalten und überzeugt gerade deswegen. Ein stimmiges Pop-Album mit rotem Faden, einem klaren Konzept und Gomez greift zwar auf typische Gewohnheiten zurück, lässt es sich aber auch nicht nehmen, zu experimentieren.

    Nebst der für Gomez bekannten, weichen Stimme, die teilweise fast schon flüsternd wird, wagt sie sich auch in neue Gefilde. Egal ob ein E-Gitarren Solo, Elektropop oder eine Kollaboration mit Rapper 6lack «Rare» bleibt überraschenderweise ein Album, welches vom ersten bis zum letzten Song stimmig bleibt. Als Produzenten hat sie sich unter anderem Finneas mit an Bord geholt, der mit seiner Schwester Billie Eilish bei den letzten Grammys zu den grossen Gewinnern gehörte.

    Vielleicht liegt es genau daran, dass das Album einen ganz eigenen Klang hat und das, obwohl Gomez sicherlich nicht zu den besten Sängerinnen gehört, die die Musikwelt derzeit zu bieten hat. Aber dafür schafft sie es, Musik zu machen, mit denen sich Menschen identifizieren, in denen es vielmehr um die Atmosphäre und die Songtexte als um eine Stimme à la Mariah Carey geht (nichts gegen Mariah!).


    «Rare» ist authentisch wie das Leben. Ein Zusammenschnitt der letzten viereinhalb Jahre ihres Lebens. Popmusik in all seinen Facetten mit Höhen und Tiefen. Emotional, fröhlich, sexy und in ganz wenigen Momenten traurig. Selena Gomez ist zurück. Stärker, selbstbewusster und mit einer Nachricht für ihre Fans: ihr seid einzigartig!

  • Feminismus, US-Wahlen oder wie ein Song rund um die weibliche Sexualität Geschichte schreibt

    Feminismus, US-Wahlen oder wie ein Song rund um die weibliche Sexualität Geschichte schreibt

    2020 geht nicht nur dank Corona in die Geschichte ein, auch gesellschaftspolitisch ist dieses Jahr wichtig und hat Diskussionen vorangetrieben und Themen in den Fokus gerückt, die davor inmitten unseres vom Kapitalismus gesteuerten Alltags zu wenig Platz gefunden haben. Aber auch musikalisch ist Geschichte geschrieben worden und das steht in enger Verbindung mit den gesellschaftlichen Debatten, die dieses Jahr, besonders online, diskutiert wurden und am Ende sogar einen Einfluss auf das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl gehabt haben.


    US-Rapperin Cardi B, sowie die aufstrebende als Grammy Newcommer nominierte Künstlerin Megan Thee Stallion haben im August mit ihrem Duo «WAP» die Spitzen unzähliger Charts erreicht, Rekorde gebrochen und Musikpreise, sowie Grammy Nominationen eingesandt. Auf der chinesischen Kurzvideo Plattform TikTok ist der Song für mehr als 15 Millionen Videos genutzt worden. Meistens von begeisterten Tänzerinnen und Tänzern, die genau wie die Interpreten selbst mit viel Energie und anzüglichen Gesten ihren Körper zum Beat und den vulgären Lyrics bewegt haben.

    Cardi B: Petition gegen Kylie Jenner-Part in “WAP”-Video | bigFM

    «WAP» ist zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden und das obwohl der Text so provokativ ist wie wohl kaum ein weiblicher Mainstreamrap Song davor. Es geht um «Wet Ass Pussy» (auf Deutsch verdammt feuchte Vagina), verschiedenste Sexpraktiken und darum, was sich Cardi B und Megan Thee Stallion von ihren Sexualpartnern wünschen. Drei Minuten und acht Sekunden wird nichts anderes gerappt, dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen, im Hintergrund klingt durchgehend «There’s some whores in this house» (Auf Deutsch «Da sind Huren in diesem Haus») und Meghan Thee Stallion lässt es sich nicht nehmen, wie für sie gewohnt, auch in diesem Song zu stöhnen. Eine Hymne auf die weibliche Sexualität und Freiheit. Von Millionen von jungen Frauen gefeiert.

    Gerade das «WAP» nicht mehr bloss ein Song aus einer musikalischen Nische, sondern global erfolgreich ist und die breite Masse bewegt, zeigt einerseits wie populär Hip-Hop wieder geworden ist und den klassischen 2000er Pop von seiner Vorherrschaft abgelöst hat, andererseits auch dass es gesellschaftlich eine Veränderung gab. Dass Frauen über ihre Sexualität sprechen dürfen und dass sie selbst entscheiden, wie sich sexuell darstellen. Was letzten Endes ein Beweis für Emanzipation und ein Ergebnis von jahrelanger feministischer Arbeit ist. Denn die beiden Rapperin entscheiden genau wie unzählige andere Frauen auch, wie sie sich selbst sexuell darstellen und nehmen so Männern die Macht, sie zu sexualisieren. Eine Selbstbestimmung, die das Patriarchat bricht und Frauen wieder die Freiheit gibt, über ihren Körper zu bestimmen. Dass auch Cardi B und Megan Thee Stallion dafür Slutshaming und Kritik erhalten, ist zu erwarten gewesen, aber die beiden scheint das kaum zu interessieren. Denn solange sie mit einem Song über Sex und ihre Geschlechtsteile Musikrekorde brechen, kann ein alter, weisser, hetero Mann sich noch so sehr davon angegriffen fühlen. Zudem ist es ja nicht so, als hätten männliche Rapper jahrelang davor genau die gleichen Texte geschrieben und wären da nie so kritisiert worden, wie Cardi B selbst in einem Interview mit dem US-Radiomoderator Zach Sang betont.

    Dass «WAP» diese Diskussion weiter vorantreibt und junge Frauen ermutigt, offen mit ihren sexuellen Wünschen umzugehen und damit klar zeigt, dass Frauen genauso wie Männer ein sexuelles Verlangen haben dürfen, wird oft mit dem Begriff Female Empowerment in Verbindung gebracht. Aber auch die Black Lives Matter Bewegung ist durch den Song weiter beeinflusst worden. Als zwei der wichtigsten Schwarzen Prominenten haben Megan Thee Stallon und Cardi B mit ihrem Song Repräsentation für Schwarze Frauen auf der ganzen Welt geschafft und erneut bewiesen, dass es weder einen Mann noch eine dem klassischen Weissen Schönheitsbild entsprechenden Frau braucht, um erfolgreich zu sein.

    Am Ende ist «WAP» sogar ein wichtiger Bestandteil der Kampagne der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahlen geworden. Damit hätte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weder Joe Biden noch Cardi B selbst gerechnet. Aber tatsächlich ist durch das grosse politische Engagement der Rapperin, die ihre Fans und insbesondere die weiblichen Afroamerikaner zum Wählen ermutigt hat, auch der Song Teil der Onlinekampagne geworden, was wohl nicht zuletzt auch mit Trumps Frauenfeindlichen Kommentaren zu tun gehabt hat. Als der Sieg von Joe Biden verkündet wurde, haben tausende demokratische Wählerinnen und Wähler «WAP» auf den Strassen gesungen. Ein Sieg für die Gleichberechtigung, für die Schwarzen US-Amerikanerinnen und Frauen, die tagtäglich Benachteiligung und sexuelle Gewalt in physischer und psychischer Form erleben.

    https://youtu.be/c35cYbGmExA

    «WAP» reiht sich in die Reihe feministischer Musikwerke wie Madonnas «Express Yourself» oder Beyoncés «Run the World» ein. Provokanter, aggressiver und vulgärer als die meisten anderen Songs dieser imaginären Playlist. Aber damit ist die Debatte, weiter angetrieben und neue Wege sind geebnet worden. Denn wenn Megan Thee Stallion rappen kann, wie sie den Penis ihres Liebhaber reitet, zeigt das, dass ein Diskurs über die weibliche Sexualität im Jahr 2020 möglich ist und es gerade online akzeptiert ist, sich selbst sexuell so darzustellen, wie frau das möchte. «WAP» wird wohl kaum die Meinung jener Menschen ändern, die Frauen bisher für ihr Sexualleben verurteilen, das beweisen Hasskommentare unter den ganzen «WAP»-Videos, aber es reisst essenzielle Diskussionen an, und damit hat ein Song über die vor Lust triefenden Geschlechtsteile von Frauen nicht nur Musik-, sondern auch Gesellschaftshistorie geschrieben.

  • Musik auf dem Rhein oder das letzte Konzert 2021

    Musik auf dem Rhein oder das letzte Konzert 2021

    Das ImFluss Festival hat seit Jahren eine Tradition in Basel. Dabei verwandelt sich der Rhein in eine Bühne für Musik aus der Schweiz. Trotz Corona konnte die Veranstaltung als eine der wenigen in diesem Sommer durchgeführt werden. Wie viele andere war es auch für mich das letzte Konzert.


    16. September 2020 – ich sitze wie an vielen Nachmittagen in diesem Herbst im Café Mitte und arbeite an einem Projekt für meinen Blog. Es ist ein ruhiger Nachmittag im Café, die wenigen Stimmen nehme ich nicht wahr, aus meinen Kopfhörern klingt eines meiner geliebten Popalben, auf meinem Bildschirm ein Text, der noch fertig werden sollte. Ich bin vertieft in meinen Gedanken, da wandert mein Blick auf die kleine Uhr am Bildschirmrand. Schon 20:55? Ich springe auf und packe meine Sachen zusammen. Um 21 Uhr beginnt schliesslich das Konzert der Basler Soulmusikerin Nicole Bernegger und da ich ihr neues Album «Alien Pearl» zu meinen liebsten Alben 2019 zähle, will ich dieses Event auf keinen Fall verpassen. Zumal sie mich im Vorjahr bereits an der Baloise Session mit ihrer Stimme weggehauen hat.

    Die Luft draussen ist kühler als ich es mir gewohnt bin, trotzdem fahre ich mit meinem Fahrrad zur Mittleren Brücke. Bereits als ich über den Rhein fahre, höre ich die Musik. Ich bin zu spät. Das Konzert hat bereits angefangen, aber das ist kein Problem. Das ImFluss Festival ist ein Kommen und Gehen. Also stelle ich mein Fahrrad in einen der vielen Ständer und laufe dann runter ans Rheinufer. Wie alle anderen Besucher*innen trage auch ich eine Maske. Am Eingang werden die Personen gezählt, mehr als 1000 Personen dürfen es nicht sein. Es scheint mir sicher, ich hoffe, dass alle die Massnahmen einhalten und suche mir einen Platz, an dem ich genug sehen und trotzdem Abstand zu den anderen halten kann. Währenddessen klingt Nicole Berneggers Powerstimme bereits über den Rhein. Die Stimmung ist heiter, die Songs sind trotzdem zu unbekannt, als das jemand mitsingt. Warum bin ich der Einzige, der die Texte kennt? Es ist nicht das erste Mal, dass ich allein an einer Veranstaltung bin und trotzdem fühle ich mich dieses Mal besonders verloren. Die Bühne, die auf einem Floss auf dem Rhein schwimmt, die Menschen, die nicht wie sonst auf Konzerten gewohnt dicht aneinander stehen, sondern Abstand halten und die Dunkelheit nehmen wir das typische Konzertfeeling.

    IMFLUSS Festival Basel | 27.7.―14.8.21
    (C) ImFluss

    Glücklich bin ich trotzdem. Endlich mal wieder Livemusik und dann erst noch von so einer genialen Musikerin. Nicole Bernegger rockt die Bühne als wäre es das Zürcher Hallenstadion und auch wenn das Publikum, ganz typisch für die älteren Generationen der Schweiz, eher zurückhaltend ist, lockern sich nach und nach immer mehr. Ein junger Mann aus Lateinamerika beginnt zu tanzen und andere steigen mit ein. Währenddessen gehen die Helfenden des Festivals durch das Publikum und sammeln Spenden ein. Wie auch die Jahre davor ist auch während Corona die Livemusik kostenlos und wird durch eine Kollekte finanziert. Ich krame selbst eine zwanziger Note hervor und reiche sie dem Mann im Rollstuhl, der sich bedankt. Während ich meinen Blick wieder auf die Bühne wende, frage ich mich, ob ich sonst wohl auch so viel gegeben hätte. Wahrscheinlich nicht, aber zu lange habe ich kein Konzert mehr besucht und zu viele Social Media Posts über die Krisensituation der Musikbranche gelesen.

    Nach einer Stunde ist dann auch schon wieder Schluss. Nicole Bernegger verabschiedet sich traurig, erwähnt nochmals, wie dankbar sie ist, endlich wieder für andere Menschen Musik zu machen und dass sie sich gerne noch bisschen mit einigen unterhält, Fotos macht oder CDs signiert. Ich überlege nach Hause zu fahren, schliesslich ist am nächsten Tag wieder Schule, es ist noch kühler geworden und es scheint viele Menschen zu geben, die Nicole gerne einmal persönlich treffen wollen. Trotzdem beschliesse ich noch bisschen zu warten und mein Glück zu versuchen. Denn wenn ich etwas während Corona nochmals deutlich gelernt habe, dann das sich jeder Mensch über ein ehrliches Kompliment freut.

    Also stelle ich mich an und erlebe wieder einmal hautnah, wie wenig Respekt andere Menschen haben. Da wird gedrängelt, kein Abstand gehalten und inmitten Nicole Bernegger, die nicht so recht weiss, wie sie mit der Situation umgehen soll. Normalerweise wäre das alles kein Problem, aber jetzt mit Corona? Trotzdem macht die The Voice-Gewinnerin Fotos und signiert ihre neue Platte.

    Während ich anstehe komme ich ins Gespräch mit einer freundlichen Frau, die sich als Berneggers Managerin entpuppt. Sie erzählt, wie hart das Jahr bisher war und wohl auch bleiben wird, wenn sie die Situation nicht bessert. Trotzdem versucht sie optimistisch zu sein. Irgendwann fragt sie, was ich in meinem Leben mache und ich erzähle ihr von meinem Blog. Am Ende ist sie so begeistert, dass sie mir anbietet, dass ich beim nächsten Albumrelease eingeladen wäre und vielleicht sogar etwas mit Nicole drehen könne. Eine gelungene Überraschung und nach dem ich fast eine halbe Stunde gewartet habe, hat dann auch die letzte Person ein Foto gemacht und ich finde endlich Zeit, der Basler Musikerin zu erzählen, wie sehr mir ihr neues Album, der Liveauftritt und ihre Musik im Allgemeinen gefällt. Die Freude in Nicoles Gesicht ist echt. Sie strahlt, bedankt sich und wir reden mehrere Minuten über Musik, die aktuelle Situation und auch sie scheint sich an mich zu erinnern. Tatsächlich kenne sie meinen Instagramseite, da ich sie da schon einmal verlinkt habe und am Ende gehe ich glücklich nach Hause. Ein Abend, der trotz der schwierigen Situation und des fehlenden Konzertfeelings viel Freude in mir ausgelöst hat.


    Nicole Berneggers Album «Alien Pearl» ist überall zum Kaufen, Downloaden und Streamen erhältlich.

  • Ghostfestival – Schweigen für die Musik – Bericht

    Ghostfestival – Schweigen für die Musik – Bericht

    Es ist DAS Musikevent 2021. Das Ghostfestival mit einem Lineup mit über 300 Acts und so viel Werbung wie wohl kaum ein Festival ist der Ticketverkauf gestartet. Sponsoren des Events sind unteranderem die Mobiliar und die Migros. Vom Tagespass bis hin zum VIP-Ticket ist alles dabei. Die Tickets sind unlimitiert. Es können so viele gekauft werden, wie man will und die Platzzahl ist unbeschränkt. Man kann sich selbst sogar mehrere Tickets kaufen.

    GHOST FESTIVAL - DAS FESTIVAL, DAS NICHT STATTFINDET.
    Tickets fürs Ghostfestival gibt es auf www.ghostfestival.ch

    Denn das Ghostfestival ist tatsächlich das grösste Musikevent seit dem ersten Lockdown. Zumindest wirkt es so, aber in Wahrheit findet dieses Festival genauso wenig statt wie das in Frauenfeld oder das Openair Gampel. Der Besuch am Ghostfestival verläuft also von zu Hause ab. Es wird keine Bühne geben, keine mitsingenden Massen, kein Bier und keine schmerzenden Füsse am nächsten Tage. Stefanie Heinzmann wird aber auch nicht auf einem Bildschirm für uns singen und Steff La Chefe nicht per Zoom rappen, es wird gar nichts passieren. Das Geld vom Konto fürs Ticket wird trotzdem abgezogen.

    Denn das Ghostfestival ist ein schweigendes Festival. Ein stummer Hilfeschrei einer Branche, die in ihrer wohl schlimmsten Krise steckt. Seit dem ersten Lockdown konnten keine Grossevents mehr stattfinden. Das Hallenstadion unbesucht, die kleinen Clubs geschlossen, tausende Menschen arbeitslos oder in Kurzarbeit. Verkaufte Tickets zurückgegeben oder Termine mehrmals verschoben. Die genauen Zahlen sind nicht bekannt. Zu viele Menschen sind davon betroffen und für viele kommt das Ghostfestival zu spät, aber für manche, kommt die Hilfe noch rechtzeitig. Denn auch wenn die Käufer*innen des Tickets nichts im Gegenzug bekommen, werden die Einnahmen an Schweizer Musikschaffende vergeben, um damit Einnahmeausfälle zu decken und das Schlimmste zu verhindern.

    Es wird keine News, keine witzigen Bilder und keine Erinnerungen an das Ghostfestivals in Form eines Armbands geben, dass man so lange mit sich rumschleppt, bis es vergammelt, dafür ermöglicht dieses Festivals vielleicht, dass es auch nach Corona wieder Corona Konzerte geben wird. So dass es auch wieder Konzertberichte geben kann.

  • Meine Top 10 Alben | 2020

    Meine Top 10 Alben | 2020

    2020 war in vielen Bereichen frustrierend, kompliziert und schwierig, aber musikalisch war dieses Jahr grossartig. Zumindest für mich. Denn ich habe selten so viele neue Musik meiner Lieblingskünstler*innen bekommen und dabei auch neue entdeckt. Darum möchte ich heute meine Top 10 Alben 2020 vorstellen. Vergesst nicht mir in den Kommentaren eure Lieblingsalben aus diesem Jahr zu verraten.

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